Fischotter bei Tietjenshütte überfahren

Auf dem Nachhauseweg von Osterholz nach Lilienthal sah eine Lehrerin kurz hinter Tietjens Hütte im Scheinwerferlicht ihres PKW ein marderartiges Tier mit krummem Rücken, das am Straßenrand kauerte. Als sie anhielt, um nachzugucken, überfuhr der nächste PKW das über die Straße laufende Tier. Nach einer Verständigung mit der Biostation mittels digitaler Bilder und schneller Internetverbindungen wurde zunächst ein vorläufiger Befund gestellt. Die Zeugin brachte das Tier am nächsten Morgen auf einem Silbertablett und in Tüchern gehüllt zur Station. Die erste Inaugenscheinnahme ergab den endgültig Befund: Es handelte sich in der Tat um einen Fischotter. Es war der erste Otter, den wir bei der Biostation auf den Tisch bekommen haben. Und so konnten auch zahlreiche anwesende Schulkinder, die gerade an einer Apfelsaftpressaktion teilnahmen, das seltene, tote einheimische Tier bestaunen, lebendiger Biologieunterricht sozusagen. Mit 3,8 Kg, 60 cm Kopf-Rumpflänge und 35 cm Schwanzlänge erwies sich der Otter als junges Männchen, was dann auch eine weitere Untersuchung im Veterinäramt des Kreishauses bestätigte. Auch die MitarbeiterInnen des V-amtes kamen im dortigen Labor staunend zusammen; so schöne Füße mit Schwimmhäuten (s. Foto) und so ein dichtes wasserabweisendes Fell sieht man nicht alle Tage.

Der Fischotter ist ein besonders an Feuchtgebiete gebundenes Säugetier. Aufgrund der intensiven Verfolgung und des Lebensraumverlustes im letzten Jahrhundert war sein Bestand landesweit stark zurückgegangen, der Otter war in vielen Regionen Niedersachsens nahezu verschwunden. So auch in der Hammeniederung, wo im Zeitraum nach 1989 für lange Zeit keine Feststellungen mehr gelangen. Erst seit einigen Jahren deutet sich eine Wiederbesiedlung dieser Region an, was eindeutig mit der Renaturierung der flussnahen Bereiche entlang von Wümme und Hamme zu tun hat. Innerhalb der Hammeniederung finden sich aufgrund der vom Landkreis Osterholz initiierten Maßnahmen im Bereich des Niederender Sees, am Breiten und am Schmalen Wasser wieder viele deckungs- und nahrungsreiche Zonen für den nach wie vor seltenen Fischotter.

In den letzten vier Jahren wurden im Umfeld der Hammeniederung drei Alttiere des Fischotters überfahren, daher konnte man also wieder ein regelmäßiges Vorkommen dieses Wassermarders vermuten. Der Fischotter gilt landesweit immer noch als im Bestand gefährdet, jedoch nicht mehr als stark gefährdet oder gar vom Aussterben bedroht. Er ist zudem nach Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt. Anhand des jetzigen Nachweis eines Jungtieres kann man sogar davon ausgehen, dass sich diese anspruchsvolle Tierart in der Hammeniederung auch wieder fortpflanzt – durchaus ein Erfolg des Naturschutzes. Während das tote Tier nun in der amtlichen Tiefkühltruhe ausharrt, bis seine weitere Verwendung durch den zuständigen Jagdpächter geklärt ist, werden sich Vertreter von Naturschutzbehörde und Naturschutzverbänden Gedanken darüber machen müssen, wie die offenkundige Gefahrenstelle zu entschärfen ist. Dies kann z.B. durch eine Leitvorrichtung in Richtung Hammebrücke bewirkt werden, denn unter dieser läßt sich der Weg entlang des Flusses gefahrlos fortsetzen.