Moore und Klimaschutz

Niedersachsen hat eine Moorfläche von (ca. 10%), die überwiegend landwirtschaftlich genutzt wird. Die Emissionen aus den landwirtschaftlich genutzten Moorböden betragen 13 % der Treibhausgasemissionen des Landes. Im Unterschied zu anderen Bundesländern wie Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern gibt es aber noch kein Konzept, wie die Bewirtschaftung und Entwicklung der Moorböden in Zukunft klimaverträglich gestaltet werden kann. Hierzu gibt es viele Ansätze: Ausschluss von Ackerbau auf Moorböden, Förderung von Paludikulturen, Flächenankauf und Vernässung, Klimaschutzprojekte als Angebot zur Kompensation für Großemittenten, Ausgestaltung der Agrarumweltmaßnahmen im Hinblick auf eine klimaverträgliche Bewirtschaftung.
Vor diesem Hintergrund erhebt die Aktion Moorschutz die Forderung nach einem Moorschutzprogramm, das sowohl Hoch- und Niedermoore, wie auch Natur- und Klimaschutz umfasst. Auch im Austausch mit den russischen Moorkundlern wurde deutlich, dass Moorschutz und Klimaschutz international ganz oben auf der Agenda stehen und dringender Handlungsbedarf für Politik und Verwaltung besteht.
Hoch interessant ist der Bericht des von Thünen-Institutes über das BMBF-Verbundprojekt „Klimaschutz -Moornutzungsstrategien“, dass wir im Folgenden leicht gekürzt wiedergeben.

Klimaschutz durch Moorschutz in der Praxis

Ergebnisse aus dem  BMBF-Verbundprojekt „Klimaschutz -Moornutzungsstrategien“ 2006-2010
Aus dem von Thünen-Institut für Agrarrelevante Klimaforschung (AK):

Hintergrund und Ziel des Berichts

Dieser Bericht fasst die Ergebnisse des Verbundprojektes „Klimaschutz-Moornutzungsstrategien – Abschätzung  des Klimaentlastungspotenzials, der betriebswirt-schaftlichen Effekte und des volkswirtschaftlichen Nutzens von alternativen Moornutzungen“ zusammen.
Der Bericht konzentriert sich auf Moore unter landwirtschaftlicher Nutzung, Naturschutzflächen und wiedervernässte  Flächen. Flächen mit aktivem Torfabbau, Waldmoore und mit Sand kultivierte Flächen wie Sanddeck- und Sandmischkulturen sowie Anmoore werden nicht berücksichtigt. Diese Nutzungstypen werden aktuell in einem laufenden Verbundforschungsprojekt des Johann Heinrich von Thünen-Instituts untersucht („Berichterstattung organische Böden“).

Ökologische Serviceleistungen von Mooren

Moore erfüllen eine Vielzahl von ökologischen Serviceleistungen. Naturnahe Moore fördern den saisonalen Wasserrückhalt in der Landschaft, puffern das regionale Klima, dienen als Speicher für Kohlenstoff und teilweise als Puffer für Nährstoffe, haben eine wesentliche Funktion als Archiv für Vegetations-, Klima- und Menschheitsgeschichte der letzten 10.000 Jahre und stellen Lebensraum für besonders empfindliche, seltene Pflanzen und Tiere. Diese Umweltleistungen gehen durch Dränage und Nutzung zum Torfabbau oder zur landwirtschaftlichen Produktion weitgehend verloren, die Speicherfunktionen sogar vielfach in Niedermooren unwiederbringlich.

Klimarelevanz deutscher Moore

Unter ungestörten Bedingungen sind Moore  die einzigen Ökosystemtypen, die kontinuierlich und dauerhaft Kohlenstoff in  signifikanten Mengen aufnehmen. Im natürlichen Zustand sind Moore klimaneutral. Austrocknung z.B. durch Klimawandel bzw. künstlich herbeigeführte Entwässerung führen zu einer Freisetzung des in den Mooren gebundenen Kohlenstoffs. Unter dem Einfluss von Entwässerungsmaßnahmen und landwirtschaftlicher Nutzung emittieren Moore große Mengen an Kohlendioxid und teilweise Lachgas durch Torfschwund. Gedrainte Moore sind Hotspots für anthropogene Treibhausgase.
Insgesamt emittieren die im Nationalen Inventarbericht unterstellten 18.098 km² Moorfläche 45,7 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr in Deutschland. Das entspricht 5,1 % der gesamten deutschen Treibhausgasemissionen und schließt alle Nutzungsformen ein. Dränierte Moore sind damit die größte Einzelquelle für Treibhausgase außerhalb des Energiesektors (NIR 2010).

Moore in der Klimapolitik

Lachgasemissionen aus landwirtschaftlichen Mooren sind im Kyoto-Protokoll berücksichtigt. Dagegen ist die CO2-Minderung auf landwirtschaftlich genutzten Mooren in der ersten Verpflichtungsperiode unter  dem Kyoto-Protokoll (2008-2012) nicht als Klimaschutz anrechenbar, sondern nur die CO2-Minderung beim Moorschutz unter Wald. Die internationalen Verhandlungen über Klimaschutz ab 2013 laufen noch. Nach aktuellem Verhandlungsstand (März 2011) kann die Bundesregierung entscheiden, dass Deutschland freiwillig ab 2013 die CO2-Quellen und –Senken aus der Bewirtschaftung von Acker und/oder Grünland als Klimaschutz im Sinne der internationalen Verpflichtungen anrechnet.
Das theoretische Emissionsminderungspotenzial einer klimafreundlichen Moornutzung durch Extensivieren und konsequentes Wiedervernässen auf naturnahe Wasserstände in Deutschland wird auf rund 35 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr bzw. 76 % der aktuellen Emissionen geschätzt (Freibauer et al. 2009). Im Nationalen Inventarbericht unter der Klimarahmenkonvention und Kyoto-Protokoll können nur Maßnahmen berücksichtigt werden, die auf nationaler Ebene konsistent dokumentiert sind. Die Nachweisbarkeit von Aktivitäten und damit das Erfolgsmonitoring gewinnen deshalb zunehmend an Bedeutung, um Klimaschutzmaßnahmen perspektivisch für die nationale Klimapolitik oder für freiwillige CO2-Märkte zu entwickeln.
Die derzeit bereits durch Moor- und Naturschutzprogramme umgesetzten Maßnahmen sind nicht ausreichend gebündelt und beschrieben. Teilweise liegen aber Erfolgsindikatoren wie Wasserstände vor und nach der Maßnahme sowie Vegetationsbeschreibungen auf lokaler Ebene vor, so dass in den nächsten Jahren mit einigen Anstrengungen in Zusammenarbeit mit den Bundesländern eine erste nationale Schätzung der Klimaschutzwirkung von Maßnahmen seit 1990 bzw. der aktuellen Situation in geplanten Maßnahmengebieten vorgenommen werden könnte. Grobe Schätzungen anhand von Nutzungskategorien und Landnut-zungsänderungen sind sofort mit den hier präsentierten Daten möglich. Für gebietsspezifische Berechnungen ist es zentral, die Emissionsfaktoren und Zusammenhänge mit Steuergrößen wie Wasserstand und Nutzungsintensität zu vervollständigen und modellhaft in die Fläche zu bringen.

Konsequenzen für eine klimafreundliche Moornutzung

Als Ergebnis des BMBF-Verbundprojektes wird daher für die Berechnung von Treibhausgasemissionen aus Mooren in Deutschland die Verwendung der Faktoren Jahresmittelwasserstand und Kohlenstoffexport als Indikator für die Nutzungsintensität empfohlen. Die Funktion eignet sich auch als Grundlage  für die Bewertung der Klimaschutzwirkung von Moorschutzmaßnahmen in Deutschland. Damit werden die wichtigsten Steuergrößen Wasserstand, Nutzung, Nutzungsintensität und Indikatoren für Emissionsrisiken erfasst.

Die Messungen zeigen weite standort-  und nutzungsabhängige Spannen in der Treibhausgasbilanz genutzter Moore. Die Nutzung von Moor als Acker und Intensivgrünland belastet das Klima am meisten. Eine Extensivierung kann Emissionen einsparen. Aber erst, wenn die Wasserstände angehoben werden, kann ein deutlicher Klimaschutzeffekt erzielt werden. Einsparungseffekte durch alternative Nutzungen mit nachwachsenden Rohstoffen und hohen Grundwasserständen sind noch nicht umfassend untersucht.
Je tiefer die Dränage, desto höher sind die CO2-Emissionen. Allerdings erhöhen sich die CO2-Emissionen bei Dränagetiefen unter 60-80 cm nicht mehr wesentlich.  Das höchste Risiko für Lachgas (N2O)-Emissionen herrscht in Niedermooren bei stark schwankenden Wasserständen und einem mittleren jährlichen Grundwasserstand von 50 cm unter Flur.
Im BMBF-Projekt haben sich im Mittel der Testgebiete keine signifikanten Unterschiede der Treibhausgasemissionen zwischen Acker und Grünland ergeben. Allerdings wurden die höchsten Emissionen unter Acker und Unterschiede innerhalb einiger Testgebieten beobachtet. Selbst wenn die Kohlenstoffzufuhr durch Stroh und Wirtschaftsdünger die Kohlenstoffbilanz des Standorts verbessert, ist der Torfschwund höher als bei Grünlandnutzung bei vergleichbar intensiver Dränage. Eine Umwandlung von Acker zu Grünland kann somit den Torfschwund verringern.
Intensivgrünland ist (fast) so klimabelastend wie Ackernutzung. Grünlandnutzung zur Produktion von hochwertigem Grünfutter führt zu unerwartet hohen Treibhausgasemissionen von über 30 Tonnen CO2-Äquivalenten pro Hektar und Jahr, die weit über den derzeit in der nationalen Klimaberichterstattung verwendeten Emissionsfaktoren von 22 Tonnen CO2-Äquivalenten pro Hektar und Jahr liegen.
Extensivgrünland mit einem Jahresmittelwasserstand unter -20 cm hat nur in 50% der Test-gebiete geringere Treibhausgasemissionen als Intensivgrünland. Offensichtlich gibt es zwar eine gewisse Verschiebung im Artenspektrum im Sinne des Naturschutzes, aber keinen sicheren Schutz des Torfkörpers. Stimulierend wirkt sich vor allem die sommerliche Wasserabsenkung, z.B. auch zur Durchführung von Pflegeschnitten, auf die Torfmineralisation aus.
Extensivgrünland mit einem Jahresmittelwasserstand über -20 cm hat in allen Testgebieten um 50 bis 75 % geringere Treibhausgasemissionen als Intensivgrünland.
Naturnahe Flächen und solche mit einem  Jahresmittelwasserstand um -10 cm sind klimaneutral oder mindestens um weitere 15 bis 25 % emissionsärmer als nasses Extensivgrünland. Dies ist aus Klimasicht der Optimalzustand.
Überstau während der Vegetationsperiode ist zu vermeiden bzw. auf möglichst kleine Flächen zu beschränken. Wenn sich bei Überstau in nährstoffreichen Niedermooren Mudden bilden oder leicht zersetzbare  Grasvegetation fault, können extrem hohe Methanemissionen entstehen, die eine ähnliche oder höhere Klimawirkung wie die Ackernutzung haben können. In Hochmooren ist der Effekt geringer – vergleichbar mit Emissionen aus degradierten Heideflächen.  Die Renaturierungspraxis mit großflächigem Überstau, z.B. nach Torfabbau, ist zu überdenken. Das Wassermanagement sollte so gestaltet werden, dass sich möglichst schnell Torfmoose einstellen. Wenn die Torfmoose aus wassergesättigten Flächen herauswachsen, kann, wie in natürlichen Mooren, das gebildete Methan vor Erreichen der Oberfläche partiell wieder verbraucht werden.
Die Renaturierung von degradierten Hochmoorheiden hat ein bedeutendes Emissionsminderungspotenzial.
Das Klimaschutzpotenzial pro Hektar ist in Nieder- und Hochmooren ähnlich. Bei mäßiger und intensiver Dränage mit Jahresmittelwasserständen unter -20 cm unterscheiden sich die Treibhausgasbilanzen nicht zwischen Niedermooren und Hochmooren. In nasseren Situationen sind Hochmoore weitgehend klimaneutral oder bei Überstau geringe Treibhausgasquellen. Niedermoore dagegen bleiben auch im renaturierten Zustand geringe Treibhausgasquellen.



Abbildung: Mittelwert, Minimum und Maximum der gemessenen Jahresmittelwasserstände (blau) und jährlichen Treibhausgasbilanzen (rot) nach Nutzungskategorien

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