Gewässerentwicklungsplanung im Licht der Wasserrahmenrichtlinie ‑ Gewässerentwicklungsplan (GEPL) Giehler Bach

Fließgewässer wurden in den vergangenen Jahrzehnten in erster Linie in ihrer Funktion als „Vorflut“ zur zügigen und schadlosen Abfuhr des Wassers wahrgenommen. Der Giehler Bach ist ein typisches Beispiel. Begradigungen natürlicher Mäander, Sohlvertiefungen und Querschnittsverbreiterungen, Uferverbau und eine intensive Gewässerunterhaltung gehörten und gehören z. T. bis heute zur allgemeinen Praxis der Gewässerunterhaltung. Im Ergebnis stellt sich der Giehler Bach heute auf weiten Strecken als geradlinig verlaufendes, stark eingetieftes Gewässer mit kasten- oder trapezförmigem Profil, unüberwindbaren Staueinrichtungen und nur noch rudimentär vorhandener Gewässerflora und –fauna dar.

Mit dem Inkrafttreten der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) und der Anpassung der entsprechenden Bundes- und Landesgesetze (Wasserhaushaltsgesetz und Niedersächsisches Wassergesetz) hat sich der Blick auf unsere Gewässersysteme europaweit geändert. Die WRRL rückt die ökologische Bedeutung der Gewässer stärker denn je in den Blickpunkt der Betrachtung. Denn der angestrebte „gute Zustand“ der Gewässer, der bis 2015 erreicht werden soll, beinhaltet nicht nur eine akzeptable Gewässerchemie, sondern auch eine den natürlichen Verhältnissen weitgehend entsprechende Gewässerstruktur sowie das Vorkommen der jeweilig referenzgewässertypischen Tier- und Pflanzenarten in charakteristischer Zusammensetzung und Mengenverteilung.

Für die Aufstellung neuer GEPLs setzen die Zielvorgaben infolgedessen grundsätzlich neue und höhere Standards. Als konkrete Planungsebene vor Ort zur Umsetzung der WRRL muss bei der GEPL-Aufstellung sehr konkret darüber nachgedacht werden, wie das Leitbild des jeweiligen Gewässers aussieht und welche Schritte für das Erreichen des angestrebten guten ökologischen Zustands erforderlich sind. Diese werden im Maßnahmenkonzept und fassbaren Handlungsempfehlungen explizit dargestellt – unabhängig davon, ob die finanziellen, eigentumsrechtlichen oder nutzungsbedingten Gegebenheiten derzeit eine Durchführung ermöglichen. Und der gute Zustand ist eben nicht nur über „klares Wasser“ erreichbar ….

Der Giehler Bach ist im Rahmen der Bewertung für die WRRL als „natürliches Gewässer“ eingestuft worden – deswegen hängen die Zielvorgaben hoch. Die angrenzenden FFH-Gebiete Springmoor und Heilsmoor erfordern darüber hinaus komplexe Lösungsansätze, wenn es um die Wiederherstellung der niederungstypischen hydrologischen Verhältnisse oder natürliche Wasserrückhaltung im Gelände geht. Eine Herausforderung, was die konkreten Maßnahmenvorschläge angeht!

Folge bei der GEPL-Aufstellung war, dass erstmalig auch ernsthaft über solche Maßnahmen diskutiert wurde, die sich erheblich auf das Abflussverhalten des Bachs auswirken. Neben der Wiederherstellung der Durchgängigkeit des Bachs oder der Anlage von Gewässerrandstreifen hat der Arbeitskreis daher auch über Sohlerhöhungen auf weiteren Strecken, das Zulassen von uferbegleitendem Gehölzaufwuchs oder die Reduzierung oder partiell sogar Aufgabe der Gewässerunterhaltung debattiert. Aufgrund der Ortskenntnis, mehrerer Geländebegehungen und der BioS-Betreuungsberichte über Heilsmoor und Springmoor konnten die Naturschutzverbände diverse Maßnahmenvorschläge einbringen, die in den Maßnahmenkatalog übernommen wurden. So ist beispielsweise am Nordrand des Heilmoores der Anstau des Lauwiesengrabens, des neuen Heilsmoorgrabens und des nordöstlich davon verlaufenden Grabens vorgesehen. Die Gräben entwässern den Hochmoorkörper und die Heilsmoorteiche nach Norden in die Giehler Bachniederung. Das Niedermoorgrünland zwischen Hochmoor und Fließgewässer soll wiedervernässt werden.

Insgesamt sind neben durchgehend geplanten Maßnahmen wie Uferrandstreifen oder Beseitigung der Querbauwerke vier Schwerpunktbereiche für Entwicklungsmaßnahmen benannt worden, wo die Realisierung gebündelter Maßnahmenpakete – insbesondere unter dem Aspekt des Fischotterschutzes ‑ geplant ist. Wiederanschluss oder –herstellung alter Bachmäander, Sohlaufhöhungen, Nutzungsaufgabe und Wiedervernässung sind wesentliche Maßnahmenelemente.
Trotz z. T. detaillierter Detail-Informationen der Verbände über ökologisch wertvolle Bereiche oder „Knackpunkte“ an einzelnen Nebengewässern ist das Betrachtungs- und Plangebiet aufgrund des eng geschnürten Budgets bedauerlicherweise auf einen zwischen Randstreifen und ganzer Bachniederung wechselnden Bereich entlang des Giehler Bachs reduziert. Das schließt Maßnahmen an den Nebengewässern natürlich nicht aus, die Erfahrung zeigt aber, dass die Darstellung zweckmäßiger Renaturierungsmöglichkeiten in einer Fachplanung für deren Realisierung ‑ insbesondere mit Zuschuss öffentlicher Mittel ‑ wirklich wichtig sind.

In ein paar Wochen wird der GEPL der Öffentlichkeit vorgestellt. Ob und wann diese Planungen in die Praxis umgesetzt werden, hängt – wie so oft – in erster Linie von den verfügbaren Finanzmitteln und den Initiativen vor Ort ab. In den nächsten drei bis vier Jahren sollen in jedem Fall alle Querbauwerke entfernt werden. Zum Ersatz des Giehler Mühlenstaus durch eine Sohlgleite unter dem Aspekt der Verbindung von Fließgewässer- und Moorentwicklung (Springmoor) wird derzeit eine Machbarkeitsstudie angefertigt.

Zugute kommt unserer Region in diesem Zusammenhang, dass der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) im Rahmen des „Modellprojekt Wümme“ beispielhaft für andere niedersächsische Regionen im Wümme-Einzugsgebiet die Umsetzbarkeit, Folgen und ökologische Wirksamkeit verschiedener Gewässerrenaturierungsmaßnahmen untersucht. Konkret werden am Giehler Bach z. B. vom NLWKN hydrologische Gutachten zu Auswirkungen der Sohlaufhöhungen in den vorgesehenen Bereichen erstellt.

Allgemein ist auf dem Sektor naturschonende Gewässerunterhaltung und Gewässerrenaturierung derzeit viel im Fluss. Das wird nicht zuletzt daran deutlich, dass der Wasser- und Bodenverband Teufelsmoor ab Januar 2008 zum „Gewässer- und Landschaftspflegeverband Teufelsmoor“ werden wird.

J.K.